Kurs 171
25./26.03.2011
Rentenbegehren - was tun?
PD Dr. Udo Michalak, Bad Wildungen.
Inhalt:
Die Zahl der Frühverrentungen bei psychischen Erkrankungen hat sich von 20 auf 40% verdoppelt. Auch der allgemeine Trend zu niedrigeren AU -Zeiten wird bei den psychischen Störungen nicht beobachtet. Es gibt vielmehr eine Zunahme der Arbeitsunfähigkeitszeiten und auch eine Ausweitung mit Chronifizierungstendenz. Besonderes Augenmerk gilt derzeit Patienten mit laufendem Rentenverfahren, insbesondere im Widerspruchsverfahren. Dabei weisen Patienten gerade mit somatoformen Störungen neben hohem Inanspruchnahmeverhalten medizinischer Leistungen eine charakteristische Konfliktdynamik auf, welche die therapeutische Beziehung maximal belasten kann und gleichzeitig einen zyklisch maladaptiven Prozess unterhält, der häufig Versorgungsansprüche hervorbringt. Die Therapieerfolge sind dann wegen stark divergierender Ziele eingeschränkt und wenig stabil. Auch die gesamtgesellschaftliche Lage trägt dazu bei, dass z.B. lange Arbeitsunfähigkeiten, Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt auch eine Medikalisierung sozialer Probleme in den nachdrücklichen Wunsch nach einer Berentung einmünden. Der gesellschaftliche Kontext, das medizinische System, die Gratifikationslinie bei Gesundheitsstörungen und die kollusive Verstrickung aller Beteiligter ist dabei von Bedeutung. Therapeutische Hilfsangebote werden konterkariert von Versorgungsmöglichkeiten. Empfehlungen, die Rente einzureichen, stehen gegen rehabilitative Ansätze und vieles mehr. So sind Behandlungsansätze erheblich erschwert. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Arbeitsleben in Frage gestellt. Selbstwirksamkeitserwartungen folgen dann überwiegend der Durchsetzung von Versorgungswünschen.
Was tun?
So lange ein Rentenanspruch besteht oder in Aussicht steht, sind therapeutische Ansätze nur selten erfolgreich. Oft wird nicht mehr nur um den Versorgungsanspruch, sondern um „mein gutes Recht“ gekämpft.
Wir wollen der Frage nachgehen, ob dieser Kampf selbst eine krankheitswertige, behandlungsbedürftige Störung ist und wie eine objektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit umgesetzt werden könnte. Dazu werden neben der klinischen Diagnostik ICF – Core - Sets zur Erfassung der funktionalen Gesundheit und ein mehrdimensionales persönlichkeitsdiagnostisches Verfahren zur Erfassung arbeitsbezogener Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM) und andere Herangehensweisen eingesetzt.
Methoden:
Vortrag, Handout, Arbeit in großen und kleinen Gruppen.
Ziel:
Umgang mit so genannten Problempatienten, Beziehungsstörungen, Befunddokumentation, Leistungsbeurteilung. Übung mit Video-Feedback
Kursgebühr: 260€
